Formen der Rede gibt es viele. Das Gespräch, bei dem man sich mit dem Gegenüber in Resonanz fühlt, die Diskussion, die in aller Regel durch unterschiedliche, sich eher selten treffende Ebenen, auszeichnet. Der Vortrag, auch der Monolog im Theater, bei der nur ein Gesprächspartner spricht. Dafür aber viele zuhören.
Eine besondere Form der Rede ist der Fotodialog. Hier begegnen sich zwei Fotografinnen mit ihren Bildern. Es entspinnt sich ein Hin und Her in visuellen Ausdrucksformen, bei dem der eine mit eigenen Bildern auf die Bilder der anderen reagiert. Ein Spiel, das sich durch Tasten und achtsames Ausprobieren auszeichnet, mit sanftem Lenken einhergeht und manchmal aber auch von einem ratlosen Stirnrunzeln begleitet wird.
Vor zwei Jahren haben Martina und ich dieses Spiel über einige Wochen gespielt und dabei einen schönen visuellen Faden – beginnend mit einer Wäscheleine und endend mit einer sanften Berührung – gesponnen. Manches haben wir dabei während der fotografischen Unterhaltung erfahren, anderes erst danach. Am Ende ist dabei aber ein in sich stimmiges Gespräch entstanden, das auch im Nachhinein funktioniert. Und damit sehr viel mehr ist als eine Folge von visuellen Reaktionen auf visuelle Reize.
Auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis es nun fertig und veröffentlichungsreif war, es hat viel Vergnügen bereitet und darf genau das bleiben: ein Gespräch in Bildern.
Berlin im Dezember 2023 Jürgen
Auslöser war Jürgens Fotoreihe über seinen Besuch in seiner Heimat. Da hatte ich mir die Fotos angesehen, die ich so im Dorf gemacht habe und dachte, wenn ich anfange, fange ich mit sowas an. Eben diese Wäscheleinen miteben diesen Ständern sind für mich das absolut typische. Hat jeder auf seiner Wiese stehen. Die gedeckten Farben mag ich sehr, die Ruhe in dem Bild. Die Arbeit ist zu Ende.
Ich dachte sofort an das Foto aus Bamberg: Schatten auf der Mauer. Welches ich seit mindestens zwei Jahren auf der to-do Liste als s/w Print für Jürgen habe. Dann dachte ich, nee, das wird dann ganz schnell Wolken – Schatten – Steine und uns wird die Luft ausgehen. Der nächste Gedanke war: Schatten/Licht/Geometrie = Spiel mit dem Licht in der Architektur = Kreuzgänge. So hin und her überlegt, aber irgendwie … bin ich dann doch wieder zu diesem Foto zurück gekommen. Aber nicht in s/w – tatsächlich mag ich es in Farbe lieber.
Das war einfach für mich. Ich hab das 50erJahre (60er?) am Haus gesehen und dachte sofort an die Säulen der Arkade in Darmstadt. Erst habe ich überlegt, so auch Haus aus dieser Zeit – aber irgendwie wurde es dann doch die Säule. Ich mag diese Verklinkerungen aus der Zeit (welche Zeit ist das nun?) sehr gerne. Ein liebevolles Detail an einfachen Wohnhäusern oder Geschäften, schwarz glänzende an Metzgereien, das es so heute nicht mehr gibt. Könnte sich wohl niemand mehr leisten.
Und hier dachte ich zuerst, da fällt mir spontan nichts zu ein. So Standard südfranzösisches Bergdorf wollte ich dann doch nicht. Dann schaute ich mal im Bayreuth Ordner, bis ich dieses Foto fand und dann habe ich keine Sekunde mehr überlegt. Das war gar nicht geplant, dass ich so schnell etwas finde. Ist ein Haus direkt neben dem Bahnhof Bayreuth – so ziemlich auf jedem Foto vom Bahnhof Bayreuth drauf – wenn man danach suchen will. Und es hat die Standard südfranzösisches oder süditalienisches Bergdorf Farbe.
Wieder einmal im Kreis? Ich dachte sofort an überfrorene Pfützen im Winter mit Reflektionen von Himmel und gesprungenem Eis und dunklen Ritzen und habe solch ein Foto gesucht und dann habe ich stattdessen dieses aus Wetzlar gefunden, Gebäude im Leitz-Park. Und dann musste es sofort und unbedingt dieses sein.
Da ist mir erstmal so gar nichts eingefallen. In Gedanken habe ich ein bißchen mit Schatten vor Mauern gespielt, aber irgendwie wollte ich von den geometrischen Formen weg. Und vielleicht auch bißchen von den gedeckten Farben. Eigentlich hatte ich ein Foto zum Bloggen gesucht und dann hab ich dieses gesehen und aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer, dachte ich sofort: Das ist es! Fette Farben, Rundungen, Chaos. Und nicht mehr so perfekt alles, nämlich Kerben, Schmutzflecken, Rost. So ist Sète sowieso. Wunderschön unperfekt.
Obst auf Tisch. Obst auf Boden. Noch bißchen Grünzeug. Okay, nicht so sehr inspiriert von mir. Aber passt. Fand ich. Finde ich immer noch. An einer Bank in Antigone, Montpellier. Wenn mal nach unten schaut und nicht nur atemlos beeindruckt nach oben.
Bilder einer Ausstellung. Mein erster Gedanke. Der nächste Gedanke war dieses Foto. Ausgestellte Tiere von Menschen betrachtet, die für mich, als ihre Fotografin, ausgestellte Menschen sind. Das Aquarium La Rochelle. Sehr schön ist das.
Bleiben wir bei dem Thema Ausstellung. Blaues Licht. Steine. Grobe Steine. Potentieller Mensch. Der nicht im Bild ist. Abbaye de Montmajour in Arles, Rencontres von 2021.
Die ewige gültige universelle Verbindung Wolkenhimmelbrandungmeerwiderschein. Und ich wollte nicht ganz so offensichtlich, also ein aufgeregter Main bei Gustavsburg. Passt ja auch.
Fand ich sehr schwierig dieses Mal – Fotos im Dunkeln/Nacht sind nicht so meines. Ich hab zwar direkt an Michaels Projekt gedacht, aber gehofft, ich find noch was anderes, um wieder in den Tag zu kommen. Aber andererseits – besser passt so fast nix, denk ich. Blaues Licht ist für mich oft Michaels Kunst. Das hier im Keller eines Weinguts in Kostheim. Ach so, ja: AKK Kunsttage 2019 „Lichtfall“ von Michael Wolff.
Da wusste ich direkt, dass ich was aus der Völklinger Hütte nehmen will. So nach ein paar Jahren betrachtet, lässt die technische Qualität der Fotos schon noch zu wünschen übrig, find ich so. Meine Güte, waren wir noch jung damals … der Ausflug war mein Geburtstagswunsch November … irgendwann … 2009.
Das sieht halt aus wie Bier (naja, oder Cognac oder Whiskey). Oder wie das, was aus Bier oder Cognac oder Whiskey am Ende wird). Auf alle Fälle hab ich ein Foto mit Bier und den Farben bierfarben, blau und grün. Tschakka. Passend in Bayreuth.
Wieder was, wo ich eigentlich auf der Suche nach was anderem war (Tanks in Gustavsburg, von denen ich einige Fotos habe), und dann das sah und dachte, yo, das ist es. Der Blick nach oben. In der Nähe der Tanks in Gustavsburg, nämlich dort auf dem Burgfest.
Da ich die Artichoken-Antwort von Jürgen kaum toppen kann, dachte ich, ich nehme mal das allererste Artichoken (Artischoken?) Foto, das ich je gemacht habe. Ich glaube, ich habe die wirklich zum ersten mal so als Pflanze 2009 im Gemüsegarten in Versailles gesehen. Wie das so ist, sehe ich sie seit dem sehr oft.
Puh, mit Nachtfotos komm ich immer aus dem Takt. Da fällt mir nix ein außer auch ein Nachtfoto. Ich mag Nachtfotos hier in diesem Projekt nicht so sehr irgendwie. Die stechen immer extrem raus aus dem Zusammenhang. Das hier ist der Computerpool der Uni in Mannheim.
Harrharr, der Jürgen will mich immer in die Nacht ziehen, und jetzt kommt er mit einem Pilz in einem Fenster. Raus aus der Nacht will ich (dunkel ist eh) und ich richte mich somit und hiermit mehr an Farbe und Form aus – ich denke, das passt.
Und nochema Nachtfoto. Hmpf. Und nochema Mannheim. Ob ich ihn jemals wieder ans Tageslicht zerren kann? Hier gabs mal Fotos aus dem Süden und vom Meer … .
Ich muss gegen die Nachtfotos angehen 🙂 – und dieses Kathedralenfenster erinnert mich doch sehr an die Kneipenleuchtreklame. Vielleicht kommen ja jetzt ein paar Kathedralenfotos.
Haaa, die Nagelsäule, haaa! Wie schön. Und ich direkt in die Natur. Ein Nagel im Baum. Ein Code. Fast alles wie die Nagelsäule. Nur grün statt blau. Sehr grün.
Das ist fein. Fotos an/in/unter Bäumen und Sträuchern hab ich ganz viele gemacht. Ich mag dieses Meta sehr gerne. Dieses hier aus dem botanischen Garten der Uni in Montpellier. In Frankreich gibt es immer und überall Fotoausstellungen draußen. In Parks, am Meer, in der Stadt, an Wänden. Fotografiere ich sehr gerne im Zusammenhang mit der Umgebung.
Da musste ich so laut lachen, als Jürgens Knochen und Schädel kamen. Voll mein Humor. Deshalb gibts ne Großaufnahme zurück. Auch aus Oppenheim natürlich.
Derweil ich den metallenen Schädel total witzig fand und so laut lachen musste, als das Foto kam, habe ich länger gebraucht, um mir zu überlegen, mit was ich antworte. Noch ein Schädel? Ich dachte, dann fangen wir an uns gegenseitig unsere Schädelkollektion zu zeigen ;-). Also Metall – glänzendes Metall, das irgendwas aber auch mit Verfall und Tod zu tun hat. Voilà!
Ach, sehr wahrscheinlich muss ich mal, weil ich so ungemein mies drauf bin, mal was optimistisches. Das Klischee – die Pflanze zwischen den Pflastersteinen. Herrje. Hoffentlich fällt Jürgen was besseres ein als mir.
Einschub: Jürgen hat gerade das beste schönster aller Fotos! Mal schauen, was mir einfällt dazu. Das wäre bestimmt ein cooler print 😀 Ich dachte sofort, MissTic wird die Antwort – aber dann ist mir das Graffiti aus La Rochelle eingefallen – so mit dem Grün und allem – zwar keine Kakteen, aber trotzdem. Ich finde, passt.
Da musste das Schaufenster her mit den Leuten in Badehosen. Und ich war 100% überzeugt, dass ich das 2019 in Agde aufgenommen habe. Und hab es gesucht. Und gesucht. Irgendwann hab ich dann im blog nach tags durchsucht und es gefunden. Es war 2020 in Freiburg. Und Jürgen hatte es kommentiert :-). Mich nerven die zwei Reflektionen/Lichtpunkte unten links, aber die kann man zur Not dann auch noch wegmachen. Wenn dann Not herrschen sollte.
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